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Zitierleitfaden für Literaturwissenschaft: MLA-Leitfaden

Literaturwissenschaftliche Arbeit erfordert präzises Zitieren von Primärtexten und kritischen Quellen. Dieser umfassende Leitfaden behandelt die Zitierpraktiken der MLA 9. Auflage, die für Literaturstudierende bei der Analyse von Lyrik, Prosa, Drama und Literaturkritik unverzichtbar sind.

Warum Zitate in der Literaturwissenschaft wichtig sind

In der Literaturwissenschaft erfüllen Zitate mehrere entscheidende Funktionen. Sie verankern Ihre Interpretationen in textlichen Belegen, würdigen den wissenschaftlichen Diskurs über literarische Werke und ermöglichen es Leserinnen und Lesern, die genauen Passagen zu finden, die Sie analysieren. Wenn Sie eine Zeile von Shakespeare, eine Passage von Toni Morrison oder einen kritischen Essay zur modernistischen Lyrik zitieren, nehmen Sie an Jahrhunderten literarischen Diskurses teil.

Zitate in der Literaturwissenschaft unterscheiden Ihre originäre Analyse von etablierter Forschung, zeigen Ihre Auseinandersetzung mit kritischen Debatten und bieten Leserinnen und Lesern einen Wegweiser, um Ihre textlichen Interpretationen zu überprüfen. Korrektes Zitieren ist besonders wichtig, wenn Sie umstrittene Lesarten diskutieren oder sich auf bestimmte Textausgaben stützen.

Darüber hinaus spiegeln literaturwissenschaftliche Zitierpraktiken Respekt vor der kreativen und intellektuellen Arbeit von Autorinnen und Autoren, Dichterinnen und Dichtern, Dramatikerinnen und Dramatikern sowie Kritikerinnen und Kritikern wider. Genaue Zitate würdigen die Stimmen, die unser Verständnis von Literatur prägen, und begründen zugleich Ihre Glaubwürdigkeit als sorgfältige Leserin oder sorgfältiger Leser und durchdachte Wissenschaftlerin bzw. durchdachter Wissenschaftler.

MLA-Stil: der Standard für die Literaturwissenschaft

Der Stil der Modern Language Association (MLA), mittlerweile in der 9. Auflage, ist der universelle Standard für literaturwissenschaftliche Arbeiten. Der MLA-Stil betont Klarheit, Einfachheit und Flexibilität und verwendet ein schlankes Autor-Seite-System, das es Leserinnen und Lesern ermöglicht, Quellen schnell zu finden, während der Fokus auf der literarischen Analyse bleibt.

Die MLA 9. Auflage (2021) führte einen flexibleren Ansatz ein, der auf Kernelementen basiert, die an verschiedenste Quellentypen angepasst werden können – von mittelalterlichen Manuskripten bis zu Tweets über zeitgenössische Lyrik.

Kernmerkmale des MLA-Stils

  • Klammerzitate im Text mit Autor und Seite: (Morrison 23)
  • Works-Cited-Seite mit hängendem Einzug
  • Title Case für Hauptwerke, Kleinschreibung außer Satzanfang für Artikel
  • Flexibilität beim Zitieren verschiedenster Medientypen
  • Betonung von Containern (Zeitschriften, Websites, Datenbanken)

Häufige Quellentypen in der Literaturwissenschaft

1. Literarische Texte (Primärquellen)

Die Grundlage literaturwissenschaftlicher Arbeit ist der Primärtext selbst – der Roman, das Gedicht, das Theaterstück oder die Kurzgeschichte, die Sie analysieren. Das Zitierformat variiert je nach literarischer Gattung.

Roman:

Morrison, Toni. Beloved. Knopf, 1987.

Zitat im Text:

(Morrison 23) oder Morrison writes, "..." (23).

2. Lyrik

Das Zitieren von Lyrik erfordert Aufmerksamkeit für Zeilennummern, Strophenumbrüche und Formatierung. Zitieren Sie bei Gedichten nach Möglichkeit Zeilennummern statt Seitenzahlen.

Gedichtsammlung:

Dickinson, Emily. "Because I could not stop for Death." The Poems of Emily Dickinson, edited by R. W. Franklin, Harvard UP, 1999, p. 479.

Zitat im Text (Zeilen):

(Dickinson, lines 1-4) oder erstes Zitat: (lines 1-4), dann: (5-8)

3. Theaterstücke und Drama

Dramatische Werke verwenden Akt-, Szenen- und Zeilennummern statt Seitenzahlen, was ein Zitieren über verschiedene Ausgaben hinweg ermöglicht.

Shakespeare-Stück:

Shakespeare, William. Hamlet. Edited by Barbara A. Mowat and Paul Werstine, Folger Shakespeare Library, 2012.

Zitat im Text:

(Ham. 3.1.64-65) oder (Hamlet 3.1.64-65)

4. Literaturkritik und wissenschaftliche Artikel

Sekundärquellen – kritische Essays und wissenschaftliche Bücher über Literatur – liefern theoretische Rahmenwerke und interpretative Kontexte für Ihre Analyse.

Zeitschriftenartikel:

Butler, Judith. "Performative Acts and Gender Constitution: An Essay in Phenomenology and Feminist Theory." Theatre Journal, vol. 40, no. 4, 1988, pp. 519-31.

Zitat im Text:

(Butler 520)

5. Kritische Ausgaben und Anthologien

Literaturstudierende zitieren häufig Texte aus Anthologien oder kritischen Ausgaben mit wissenschaftlichen Einleitungen und Anmerkungen.

Werk in einer Anthologie:

Hawthorne, Nathaniel. "Young Goodman Brown." The Norton Anthology of American Literature, edited by Robert S. Levine, 10th ed., vol. B, W. W. Norton, 2022, pp. 634-43.

Zitat im Text:

(Hawthorne 637)

6. Autoreninterviews und Briefe

Veröffentlichte Interviews mit Autorinnen/Autoren und gesammelte Briefe geben Einblick in die Absichten und kreativen Prozesse von Schriftstellerinnen und Schriftstellern.

Veröffentlichtes Interview:

Morrison, Toni. "The Art of Fiction No. 134." Interview by Elissa Schappell and Claudia Brodsky Lacour. The Paris Review, no. 128, 1993, www.theparisreview.org/interviews/1888/toni-morrison.

Beispiele aus der literaturwissenschaftlichen Forschung

Klassische britische Literatur zitieren

Jane-Austen-Roman:

Austen, Jane. Pride and Prejudice. 1813. Penguin Classics, 2003.

Im Text mit Kapitel:

(Austen, ch. 1) oder bei Ausgaben mit Seitenzahlen: (Austen 23)

Moderne Gedichtsammlung

Clifton, Lucille. "won't you celebrate with me." The Book of Light, Copper Canyon Press, 1993, p. 25.

Zitat im Text:

(Clifton, lines 1-3)

Zeitgenössischer Roman

Adichie, Chimamanda Ngozi. Americanah. Knopf, 2013.

Zitat im Text:

(Adichie 145)

Text der kritischen Theorie

Said, Edward W. Orientalism. Vintage Books, 1979.

Fachspezifische Zitierherausforderungen

1. Mehrere Ausgaben klassischer Werke

Klassische Texte existieren in zahlreichen Ausgaben. Geben Sie bei Relevanz das ursprüngliche Erscheinungsdatum an, gefolgt von der Ausgabe, die Sie konsultiert haben.

Shelley, Mary. Frankenstein. 1818. Edited by J. Paul Hunter, 2nd ed., W. W. Norton, 2012.

2. Lyrik mit Zeilenumbrüchen zitieren

Kurze Zitate (bis zu drei Zeilen) verwenden Schrägstriche mit Leerzeichen, um Zeilenumbrüche anzuzeigen. Längere Passagen erscheinen im Blockformat.

Kurzes Zitat:

Frost writes, "Two roads diverged in a wood, and I— / I took the one less traveled by" (lines 18-19).

3. Übersetzungen zitieren

Wenn Sie Literatur in Übersetzung analysieren, würdigen Sie die Übersetzerin oder den Übersetzer, deren/dessen interpretative Entscheidungen Ihre Lesart prägen.

García Márquez, Gabriel. One Hundred Years of Solitude. Translated by Gregory Rabassa, Harper & Row, 1970.

4. Literarische Texte online

Viele klassische Werke sind über Project Gutenberg, Google Books oder andere digitale Bibliotheken verfügbar. Geben Sie Zugriffsinformationen an.

Whitman, Walt. Leaves of Grass. 1855. Project Gutenberg, 2008, www.gutenberg.org/ebooks/1322.

5. Kritische Einleitungen zitieren

Wenn Sie die Einleitung einer Herausgeberin/eines Herausgebers statt des Primärtextes zitieren, geben Sie die Herausgeberin/den Herausgeber als Autor an.

Levine, Robert S. Introduction. The Norton Anthology of American Literature, edited by Levine, 10th ed., vol. B, W. W. Norton, 2022, pp. 1-15.

Tipps für Literaturstudierende

1. Zitate nahtlos einbinden

Fügen Sie zitiertes Material nahtlos in Ihre Prosa ein. Verwenden Sie Signalphrasen, liefern Sie Kontext und folgen Sie mit Analyse. Lassen Sie Zitate nie ohne Interpretation stehen.

2. Die richtige Ausgabe wählen

Nutzen Sie nach Möglichkeit wissenschaftliche Ausgaben mit kritischem Apparat. Diese bieten zuverlässige Texte, erläuternde Anmerkungen und Lesartenvarianten, die die Analyse bereichern.

3. Konsequent innerhalb von Arbeiten zitieren

Nach dem ersten vollständigen Zitat eines literarischen Werks können Sie verkürzte, nur den Autor nennende Zitate verwenden, wenn keine Verwechslung entsteht. Bei mehreren Werken einer Autorin/eines Autors geben Sie verkürzte Titel an.

4. Primär- und Sekundärquellen unterscheiden

Starke literarische Analyse verbindet close reading von Primärtexten mit der Auseinandersetzung mit der Forschungsliteratur. Ihr Works-Cited-Verzeichnis sollte beides widerspiegeln.

5. Blockzitate korrekt handhaben

Prosazitate mit mehr als vier Zeilen oder Lyrikzitate mit mehr als drei Zeilen erscheinen im Blockformat: eingerückt, doppelter Zeilenabstand, ohne Anführungszeichen. Das Zitat folgt auf das abschließende Satzzeichen.

6. Gattungsspezifische Konventionen lernen

Unterschiedliche literarische Gattungen haben eigene Zitierpraktiken. Lyrik verwendet Zeilennummern, Theaterstücke das Akt-Szene-Zeile-Format, Romane Seitenzahlen. Beherrschen Sie die Konventionen für die Gattungen, die Sie studieren.

7. Lesenotizen organisiert halten

Notieren Sie beim Lesen Seitenzahlen, Zeilennummern oder Akt-Szene-Zeile-Verweise für Passagen, die Sie möglicherweise zitieren. So vermeiden Sie hektisches Suchen später.

Empfohlene Werkzeuge und Ressourcen

Offizielle MLA-Ressourcen

  • MLA Handbook (9. Auflage): das maßgebliche Handbuch zum MLA-Stil mit umfassenden Beispielen
  • MLA Style Center: kostenlose Online-Ressource mit FAQs, Beispielen und Lehrmaterialien
  • Ask the MLA: durchsuchbare Datenbank zu Fragen zu ungewöhnlichen Zitierszenarien

Literaturverwaltung für die Literaturwissenschaft

  • Zotero: kostenloses Werkzeug, hervorragend geeignet für die Verwaltung vielfältiger literarischer Quellen mit Browserintegration
  • EasyBib: schnelle Zitaterstellung für Standardquellen
  • NoodleBib: in akademischen Umgebungen beliebte Lernplattform

Literaturwissenschaftliche Rechercheatenbanken

  • MLA International Bibliography: umfassende Datenbank zu Literaturkritik und -wissenschaft
  • JSTOR: umfangreiches Archiv literaturwissenschaftlicher Zeitschriften und kritischer Essays
  • Project MUSE: geisteswissenschaftliche Zeitschriften einschließlich Literaturwissenschaft
  • Literature Online (LION): Volltext literarischer Werke, Kritik und Nachschlagematerial

Digitale literarische Ressourcen

  • Project Gutenberg: kostenlose gemeinfreie literarische Texte
  • Internet Archive: digitalisierte Bücher einschließlich seltener Ausgaben
  • Poetry Foundation: umfangreiche Sammlung von Gedichten mit biografischen Informationen
  • Folger Shakespeare Library: maßgebliche Shakespeare-Texte und -Ressourcen

Schreib- und Stilhandbücher

  • Purdue OWL MLA Guide: umfassende kostenlose Online-Ressource
  • Writing About Literature von Janet E. Gardner: praktischer Leitfaden zu literarischer Analyse und Zitieren
  • A Handbook to Literature von William Harmon: Nachschlagewerk zu literarischen Begriffen und Konzepten

Häufige Fehler, die Sie vermeiden sollten

  • Fehlende Zeilennummern bei Lyrik: zitieren Sie bei Gedichten immer Zeilennummern, sofern verfügbar
  • Verwendung von „S.“ oder „pp.“ in Klammerzitaten: MLA lässt Seitenabkürzungen weg: (Morrison 23), nicht (Morrison S. 23)
  • Uneinheitliche Ausgabenzitate: wenn Sie eine bestimmte Ausgabe zitieren, verwenden Sie sie durchgehend konsequent
  • Übersetzerinnen und Übersetzer vernachlässigen: würdigen Sie bei übersetzten Werken immer die Übersetzerin/den Übersetzer
  • Falsche Formatierung langer Zitate: Blockzitate erfordern korrekten Einzug und keine Anführungszeichen
  • Fehlende Herausgeberinnen/Herausgeber bei Anthologien: geben Sie beim Zitieren von Werken aus Sammelbänden die Herausgeberinformation an
  • Unsachgemäße Verwendung von Auslassungspunkten: verwenden Sie drei durch Leerzeichen getrennte Punkte [...], um ausgelassenes Material anzuzeigen, vier, wenn die Auslassung das Satzende einschließt

Besondere literaturwissenschaftliche Zitierszenarien

Mehrere Werke derselben Autorin/desselben Autors zitieren

Zitat im Text:

(Morrison, Beloved 23) und (Morrison, Jazz 45)

Graphic Novels und Comics zitieren

Bechdel, Alison. Fun Home: A Family Tragicomic. Houghton Mifflin, 2006.

E-Books zitieren

Atwood, Margaret. The Handmaid's Tale. Anchor Books, 1998. Kindle.

Im Text (Kapitel oder Abschnitt verwenden):

(Atwood, ch. 12)

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