Manuskripte und unveröffentlichte Werke im Chicago-Stil zitieren
Manuskripte und unveröffentlichte Werke sind entscheidende Quellen für historische Forschung, literaturwissenschaftliche Studien und archivarische Wissenschaft. Der Chicago Manual of Style (17. Auflage) bietet detaillierte Formate zum Zitieren mittelalterlicher und frühneuzeitlicher Manuskripte, unveröffentlichter Arbeiten, Working Papers und Privatsammlungen in sowohl Notes-Bibliography- als auch Author-Date-Systemen.
Manuskript- und Zitate unveröffentlichter Werke verstehen
Manuskripte unterscheiden sich von veröffentlichten Werken dadurch, dass sie detaillierte physische und ortsbezogene Informationen erfordern. Zitate müssen es anderen Forschenden ermöglichen, das genaue Dokument zu lokalisieren, sei es ein mittelalterlicher Kodex in einer europäischen Bibliothek, der Entwurf eines Autors in einem literarischen Archiv oder eine unveröffentlichte akademische Arbeit. Das Notes-Bibliography-System wird in Fachgebieten, die mit Manuskripten arbeiten, nahezu universell bevorzugt – Geschichte, Literaturwissenschaft, Religionswissenschaft und Kunstgeschichte.
Chicago Notes-Bibliography: Mittelalterliche und frühneuzeitliche Manuskripte
Grundformat für historische Manuskripte
Fußnote/Endnote:
Location, Library/Archive, Collection Name, Manuscript designation, folio or page reference.
Bibliografieeintrag:
Location. Library/Archive. Collection Name. Manuscript designation. [Brief description if needed]
Beispiel: Mittelalterliches Manuskript mit Folionummern
Erste Fußnote:
1. London, British Library, MS Cotton Nero A.x, fol. 42r.
Kurzfassung:
2. British Library, MS Cotton Nero A.x, fol. 45v.
Hinweis: Verwenden Sie „r“ für Recto (Vorderseite) und „v“ für Verso (Rückseite) von Folios. Mittelalterliche Manuskripte verwenden Folionummern, keine Seitenzahlen.
Bibliografie:
London. British Library. MS Cotton Nero A.x. Sir Gawain and the Green Knight, ca. 1400.
Beispiel: Frühneuzeitliches Manuskript
Fußnote:
3. Oxford, Bodleian Library, MS Rawl. D. 398, fol. 12r-13v.
Beispiel: Illuminiertes Manuskript
Fußnote:
4. Paris, Bibliothèque nationale de France, MS lat. 8846, fol. 1v (illumination of Christ in Majesty).
Chicago Notes-Bibliography: Moderne unveröffentlichte Manuskripte
Grundformat für literarische Manuskripte und Autorenmanuskripte
Fußnote/Endnote:
Autor, "Titel oder Beschreibung," Datum, Manuskripttyp, Name der Sammlung, Box/Ordner, Repositorium, Ort.
Beispiel: Manuskriptentwurf eines Autors
Fußnote:
5. F. Scott Fitzgerald, "The Great Gatsby," ca. 1924, manuscript draft, F. Scott Fitzgerald Papers, Box 1, Folder 3, Princeton University Library, Princeton, NJ.
Bibliografie:
Fitzgerald, F. Scott. "The Great Gatsby." ca. 1924. Manuscript draft. F. Scott Fitzgerald Papers, Box 1, Folder 3. Princeton University Library, Princeton, NJ.
Beispiel: Unveröffentlichtes Typoskript
Fußnote:
6. Zora Neale Hurston, "The Life Story of Mrs. Ruby McCollum," 1956, unpublished typescript, Zora Neale Hurston Papers, Box 7, Beinecke Rare Book and Manuscript Library, Yale University, New Haven, CT.
Beispiel: Notizen oder Arbeitspapiere eines Autors
Fußnote:
7. Virginia Woolf, notebook entry, March 1926, holograph notebook, Berg Collection of English and American Literature, New York Public Library, New York, NY.
Chicago Notes-Bibliography: Unveröffentlichte akademische Arbeiten
Grundformat für unveröffentlichte Arbeiten
Fußnote/Endnote:
Autor, "Titel der Arbeit" (unpublished manuscript, Datum), Format falls relevant, Ort falls abgerufen.
Bibliografieeintrag:
Autor, Vorname. "Titel der Arbeit." Unpublished manuscript, Datum. Format/Ort.
Beispiel: Unveröffentlichte Arbeit (im Besitz des Autors)
Fußnote:
8. Sarah Johnson, "Digital Humanities and Historical Method" (unpublished manuscript, 2024), Microsoft Word file.
Bibliografie:
Johnson, Sarah. "Digital Humanities and Historical Method." Unpublished manuscript, 2024. Microsoft Word file.
Beispiel: Working Paper einer Institution
Fußnote:
9. Michael Chen and Lisa Anderson, "Economic Impacts of Climate Change," Working Paper no. 2024-15 (Cambridge, MA: National Bureau of Economic Research, 2024).
Bibliografie:
Chen, Michael, and Lisa Anderson. "Economic Impacts of Climate Change." Working Paper no. 2024-15. Cambridge, MA: National Bureau of Economic Research, 2024.
Beispiel: Unveröffentlichte Arbeit aus einem Repositorium
Fußnote:
10. Robert Martinez, "Machine Learning in Historical Research" (unpublished manuscript, 2023), https://osf.io/preprints/xyz123.
Beispiel: Zur Veröffentlichung angenommenes Manuskript
Fußnote:
11. Emily Rodriguez, "Environmental Justice Movements,"Journal of Social History, forthcoming.
Hinweis: Verwenden Sie „forthcoming“ für angenommene, aber noch nicht veröffentlichte Arbeiten. Geben Sie den Zeitschriftennamen an, falls bekannt.
Chicago Notes-Bibliography: Privatsammlungen
Beispiel: Dokument aus einer Privatsammlung
Fußnote:
12. Abraham Lincoln to Mary Todd Lincoln, April 16, 1848, autograph letter, private collection of John Smith, Chicago, IL.
Bibliografie:
Lincoln, Abraham. Letter to Mary Todd Lincoln. April 16, 1848. Autograph letter. Private collection of John Smith, Chicago, IL.
Beispiel: Anonyme Privatsammlung
Fußnote:
13. Emily Dickinson, manuscript poem no. 465, ca. 1862, private collection.
Hinweis: Möchte der Sammler anonym bleiben, verwenden Sie „private collection“ ohne Nennung des Besitzers.
Chicago Author-Date: Unveröffentlichte Werke
Beispiel: Unveröffentlichtes Manuskript
Zitat im Text:
(Johnson 2024)
Literaturverzeichnis:
Johnson, Sarah. 2024. "Digital Humanities and Historical Method." Unpublished manuscript. Microsoft Word file.
Beispiel: Working Paper
Zitat im Text:
(Chen and Anderson 2024)
Literaturverzeichnis:
Chen, Michael, and Lisa Anderson. 2024. "Economic Impacts of Climate Change." Working Paper no. 2024-15. Cambridge, MA: National Bureau of Economic Research.
Beispiel: Bevorstehende Veröffentlichung
Zitat im Text:
(Rodriguez forthcoming)
Literaturverzeichnis:
Rodriguez, Emily. Forthcoming. "Environmental Justice Movements."Journal of Social History.
Wann welches System verwenden
| Fachgebiet | Empfohlenes System |
|---|---|
| Geschichte | Notes-Bibliography |
| Literaturwissenschaft | Notes-Bibliography |
| Mediävistik | Notes-Bibliography |
| Kunstgeschichte | Notes-Bibliography |
| Religionswissenschaft | Notes-Bibliography |
| Volkswirtschaftslehre (Working Papers) | Author-Date |
Häufige Fehler, die Sie vermeiden sollten
1. Seitenzahlen für Folios verwenden
Mittelalterliche und frühneuzeitliche Manuskripte verwenden Folionummern (fol. 12r, fol. 12v), keine Seitenzahlen (S. 12). Jedes Folio hat eine Vorderseite (Recto, „r“) und Rückseite (Verso, „v“). Verwechseln Sie diese Systeme nicht.
2. Unvollständige Repositoriumsangaben
Geben Sie bei Manuskriptsammlungen an: Stadt, Repositoriumsname, Sammlungsname und Box-/Ordnernummern. Diese Informationen sind unerlässlich, damit andere Forschende das Dokument finden können.
3. Falsches Format für Manuskriptbezeichnungen
Verwenden Sie die offizielle Manuskriptbezeichnung, wie sie im Bibliothekskatalog erscheint: „MS Cotton Nero A.x“, nicht „Ms. Cotton“ oder „Cotton MS.“ Befolgen Sie die Konventionen des Repositoriums genau.
4. Unveröffentlicht und bevorstehend verwechseln
„Unpublished manuscript“ bedeutet, dass das Werk nicht zur Veröffentlichung vorgesehen oder nicht angenommen wurde. „Forthcoming“ bedeutet, dass das Werk zur Veröffentlichung angenommen wurde, aber noch nicht erschienen ist. Dies sind unterschiedliche Status.
5. Fehlende Daten bei modernen Manuskripten
Geben Sie Daten oder ungefähre Daten an („ca. 1950“) für moderne Manuskripte. Dies hilft Lesern, zu verstehen, wann das Werk entstanden ist, und seinen historischen Kontext zu erfassen.
6. Übermäßige Abkürzung mittelalterlicher Verweise
Schreiben Sie Repositoriumsnamen in ersten Verweisen aus. Sie können in nachfolgenden Fußnoten abkürzen: zunächst „British Library“, dann konsistent „BL“.
Sonderfälle und Besonderheiten
Manuskript mit mehreren Autoren oder Schreibern
Fußnote:
14. Paris, Bibliothèque nationale de France, MS fr. 146, fol. 25r (scribe identified as "Scribe A" by Smith 2018).
Digitalisiertes Manuskript online
Fußnote:
15. London, British Library, MS Harley 2253, fol. 128r, digitized at British Library Digitized Manuscripts, https://www.bl.uk/manuscripts/FullDisplay.aspx?ref=Harley_MS_2253.
Preprint oder Repositoriumsversion
Fußnote:
16. David Lee, "Computational Text Analysis Methods" (preprint, submitted January 2024), arXiv:2401.12345.
Unveröffentlichte Übersetzung
Fußnote:
17. Giovanni Boccaccio, Genealogia Deorum Gentilium, trans. Jane Smith (unpublished translation, 2023), manuscript in translator's possession.
Unveröffentlichte Korrespondenz
Fußnote:
18. W. E. B. Du Bois to Countee Cullen, September 12, 1926, unpublished letter, W. E. B. Du Bois Papers, Series 1, Box 3, Folder 45, University of Massachusetts Amherst Libraries, Amherst, MA.
Best Practices für die Forschung
Manuskriptinformationen erfassen
Arbeiten Sie mit Manuskripten, fotografieren Sie Katalogkarten, Sammlungsetiketten und Findbücher. Erfassen Sie alle identifizierenden Informationen sofort, einschließlich Manuskriptnummern, Foliobezüge und besonderer Merkmale. Diese Dokumentation ist entscheidend für präzise Zitate und damit andere Forschende Ihre Quellen überprüfen können.
Genehmigung und Zugang
Viele Manuskriptsammlungen erfordern eine besondere Genehmigung für Zugang oder Zitierung. Manche Privatsammler oder Repositorien beschränken die Veröffentlichung von Manuskriptinhalten. Befolgen Sie stets die Zugangsrichtlinien und vermerken Sie Beschränkungen bei Relevanz. Vermerken Sie, wenn Sie Material unter besonderer Genehmigung untersucht haben.
Beschreibung des Manuskriptinhalts
Beschreiben Sie in Ihrem Text (nicht im Zitat) für Ihr Argument relevante Manuskriptmerkmale: Schrifttyp, Sprache, Illuminationen, Marginalien oder physischen Zustand. Diese kontextuellen Informationen helfen Lesern, die Bedeutung der Quelle zu verstehen.
Warum Manuskriptzitate wichtig sind
Manuskriptzitate demonstrieren die Tiefe und Genauigkeit archivarischer Forschung. Sie ermöglichen Begutachtung und Überprüfung von Belegen, helfen anderen Wissenschaftlern, auf Ihrer Arbeit aufzubauen, etablieren die Echtheit und Provenienz von Quellen und tragen zur wissenschaftlichen Dokumentation von Manuskriptsammlungen bei. In Fachgebieten wie Mediävistik, Textkritik und Literaturwissenschaft sind präzise Manuskriptzitate grundlegend für die wissenschaftliche Glaubwürdigkeit.
Für Historikerinnen und Historiker liefern unveröffentlichte Manuskripte oft Belege, die in veröffentlichten Quellen nicht verfügbar sind. Entwürfe von Autoren, private Korrespondenz, Working Papers und institutionelle Aufzeichnungen offenbaren Denkprozesse, verworfene Alternativen und private Gedanken, die veröffentlichte Werke verbergen. Das Zitieren dieser Materialien erfordert besondere Sorgfalt, um wissenschaftliche Überprüfung zu ermöglichen.
Chicago-Zitate für Manuskripte erstellen
Erstellen Sie präzise Chicago-Zitate für Manuskripte, unveröffentlichte Arbeiten und Archivmaterialien in sowohl Notes-Bibliography- als auch Author-Date-Format. Unerlässlich für Historiker, Literaturwissenschaftler und Archivforschende.